Band I
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Märchen — Eine geträumte Freiheit
Band I · 2016

»Märchen — Eine geträumte Freiheit«

Die Geschichte von einem großen Flugdrachen und dem kleinen Hamster

§ Dem Träumen gewidmet

Ein philosophisches Kunstmärchen über einen kleinen Hamster, der sein gewohntes Laufrad verlässt, und einen großen Flugdrachen auf ihrer gemeinsamen Reise durch Wolken, Musik und Traumwelten.

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Der kleine Hamster war so gespannt auf den heutigen Tag! Er setzte sich fröhlich auf sein kleines Hamster-Laufrad, von dem er sorgfältig den Staub vom Vortag abgewischt hatte. Heute wollte er die Käfer, Fliegen und Spinnen näher ansehen, die immer nur an ihm vorbei huschten. Sein Laufrad ging schwer, quietschte und ratterte laut, aber vergebens hatte er immer wieder versucht, das laute Geräusch zu überhören! Die Fliegen vielleicht auch?

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Manchmal fragte er sich, ob er vielleicht in einen Wirbel hinein gezogen worden wäre. War er dort für immer gefangen. Sein Hamsterrad war doch wie ein kleiner Wirbel.

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Wenn der kleine Hamster versuchte, nicht an sein kleines Laufrad zu denken, dann wusste er gar nicht, woran er denken könnte. Würde ihn heute sein Laufrad vielleicht in ein fremdes Land bringen, wo es schöner und auch nicht so laut wäre?

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In diesem fernen Land gäbe es an besonderen Feiertagen vielleicht sogar leckere Möhrchen zum Abendessen? Alle kleinen und großen Hamster wären dann sicher in den Garten gekommen - es gab doch nur so wenige Feiertage für die kleinen Hamster. Heute aber wollte er endlich die vielen Käfer und Fliegen anschauen.

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Wenn die älteren Hamster abends den kleinen Hamstern vor dem Einschlafen eine Geschichte vom Glück erzählten, dann hörten die kleinen Hamster nicht zu, denn sie wussten nicht, wovon erzählt wurde und schwätzten weiter! Erzählten die größeren Hamster aber eine traurige Geschichte, weinten sie alle und konnten bestimmt nicht mehr einschlafen.

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Die Mutter und Großmutter des kleinen Hamsters hatten ihm immer vom großen Mut aller kleinen Hamster erzählt, um ihm Mut zu machen.

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Das viele Laufen in seinem quietschenden Hamsterrad war aber plötzlich zu viel für den keinen Hamster geworden: Seine Pfötchen schmerzten und er war nur noch: traurig.

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Er hätte so gerne auf dem duftenden Gras gesessen und sich etwas ausgeruht. Heute Morgen war das Gras frisch geschnitten worden und dann roch es immer besonders gut. Vielleicht würde er einen Schmetterling, eine Biene, oder sogar einen unbekannten Käfer sehen können?

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Am Abend versammelten sich alle Vögel auf ihren Bäumen zu einem großen Vogelkonzert und dann hörten auch die kleinen Hamster begeistert zu.

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Sie spitzten ihre müden Ohren für dieses Zwitschern von einem Baum zum anderen und manchmal auch von einem ganz weit entfernten Baum. Es war so ein schönes Schlaflied.

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Der kleine Hamster hätte so gerne auch mit gepiepst - wenn er doch nur etwas lauter gewesen wäre. Zum Schutz vor ihren Feinden sind aber alle Hamster nur sehr leise. Wo nur könnte der kleine Hamster ein lautes Instrument für sich finden und wie würde es wohl aussehen?

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Ab Sonnenaufgang kletterte der kleine Hamster geduldig alle Stufen auf seinem kleinen Hamster-Laufrad herauf und herunter. Aber warum war er nie glücklich?

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Plötzlich verfehlte der kleine Hamster die nächste Stufe auf seinem kleinen Hamster- Laufrad und stürzte zu Boden- Glücklicherweise fiel er auf eine Wiese, die zwar mit Steinen übersät, aber nur mit blitzenden Glücksteinen belegt war! Der kleine Hamster war in ein Märchen gestolpert.

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Der große Flugdrache, der immer hoch oben in der Luft schwebte, hatte den Sturz - und vor allem die Tränen - des kleinen Hamsters gesehen und leider auch bemerken müssen, daß niemand dem kleinen Hamster zu Hilfe kam. Sofort flog der große Flugdrache herunter, hob vorsichtig den kleinen Hamster vom Boden auf und setzte ihn auf seinen Drachen- Rücken.

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Alles war unwirklich, wie in einem Märchen. So gutgläubig darf aber niemals ein kleiner Hamster sein, doch dieser war in einem Märchen aufgewacht und dort lebte ein sehr lieber Flugdrache.

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Sofort besorgte der große Flugdrache einen Sicherheitsgurt für den kleinen Hamster.

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Die Welt war so schön geworden! Der kleine Hamster lachte glücklich, hörte den rauschenden Wind, die fallenden Blätter und sogar das herrliche Knistern, wenn man darüber lief.

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Gerne hätte er den großen Flugdrachen gefragt, ob er auch dieses Rauschen und Knistern hören würde? Der große Flugdrache flog aber sofort eine besonders schöne Kurve und das war sicher seine Antwort gewesen.

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Der große Flugdrache freute sich über die ungewohnte Reisebegleitung, denn Freunde für Klänge und Töne gibt es nicht viele. Mit einer extra komponierten Notenlinie als einem weiteren Sicherheitsgurt für den kleinen Hamster flogen die beiden weiter.

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Und noch einmal wurde der kleine Hamster mit einem dritten Gurt festgehalten: mit einem besonders langen Faden.

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Manchmal erzählten sich der große Flugdrache und der kleine Hamster auf der weiten Reise von ihren kleinen und von ihren großen Plänen, z. Bsp. von einem Flügelhorn für den Flugdrachen. Er würde doch so gerne in einem Drachen- Orchester mitspielen. Dort würde man jede Zeit, jeden Schmerz und sogar jeden Kummer vergessen können.

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Der kleine Hamster wollte nur aus seinem kleinen Hamster-Laufrad entkommen. Vielleicht könnte er dann in einem Drachenorchester mitspielen?

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Warum war er jetzt so glücklich? Er dachte nicht mehr an sein kleines Laufrad und wollte nie mehr unhörbar sein! Weder für die anderen Hamster, noch zu leise, und hoffentlich auch laut genug für das Drachenorchester?

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Der kleine Hamster war nachts im Traum in einem ganz alten Musikinstrument fröhlich herum gessprungen. Alle Töne waren nur sehr kurz und leise.

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Er würde niemals mit diesem leisen Musikinstrument in einem Drachenorchester mitspielen dürfen.

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Durch einen glücklichen Zufall hörte er auch einem Streichquartett zu.

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Er hatte noch nie bei so einem schönen Musikabend zugehört.

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Vogelkonzerte, Streichquartette, Grillengezirpe am Abend, sogar ein Gequake von Fröschen: War nicht alles irgendwie herrlich und klingend?

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Hatte nicht der große Flugdrache von diesem großen Glück erzählt?

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Wohin führte den kleinen Hamster die weite Flugreise mit dem großen Flugdrachen? Das Reiseziel war unbekannt. Warum aber schwieg der große Flugdrache? Vielleicht hatte er die Frage des kleinen Hamsters nicht gehört, oder das Piepsen war viel zu leise gewesen? Kannte auch der Flugdrache kein Ziel?

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Plötzlich wollte der kleine Hamster aufgeben und zurückkehren auf sein kleines und quietschendes Laufrad! Dort war er immer groß genug gewesen und hatte immer auf alle Stufen seines kleinen Laufrades gepasst.

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Er verzweifelte und hoffte so sehr, bald mit den alten Freunden auf dem alten Fußboden zu rennen und wieder auf dem alten Laufrad zu sitzen.

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Der kleine Hamster war ein Träumer, und vielleicht nur deshalb hatte er die vielen Stufen auf seinem kleinen Hamsterrad übersehen können?

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Er war vor sehr langer Zeit einem unglücklichen Suchvogel begegnet. Dieser hatte damals vergeblich nach seinem Glück gesucht und es leider niemals gefunden.

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Der kleine Hamster konnte sich gut an ihn erinnern und auch daran, daß er nicht hatte helfen können. Seine Großmutter sagte immer, daß es vergebens sei, dem Glück hinterher zu laufen.

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Wohin aber ging die Flugreise?

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Plötzlich rief der große Flugdrache: „Schau nach unten!“ Er hatte eine Note bemerkt, die vom Musiker wohl übersehen und dann auf den Boden gefallen war. Der Flugdrache sah sofort von oben die vielen Spitzen der Noten, die ihn an die Drachennoten erinnerten.

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Plötzlich hörte der kleine Hamster einen ganz besonderen Zusammenklang: einen herrlichen Akkord von vielen Stimmen. Vielleicht kam er aus dem großen schwarzen Kasten, der damals im Flur abgestellt worden war. Sie landeten, und der kleine Hamster lief sofort los, um ihn zu suchen. Endlich hatte er ein lautes Instrument für sich gefunden.

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Der Klang war so lang zu hören. Das war das Instrument für den kleinen Hamster. Und der Flugdrache hatte Drachennoten, vielleicht für ein Drachenorchester gefunden?

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Der große Flugdrache hatte sich an den kleinen Fluggast gewöhnt. Wollte er jetzt erneut ohne sein liebes und fröhliches Geplapper alleine weiter fliegen. Oder war das nur ein etwas verzweifelter und auch einsamer Gedanke? Beide hatten jetzt so genaue Pläne für die Flugroute gefunden.

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Die beiden Reisenden hatten viel Schönes erlebt: mal abends das schöne Vogelkonzert, mal früh am Morgen das Zwitschern der Vögel. Immer hatten sie staunend angehalten und andächtig zugehört.

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So viel Schwung !

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Was wäre schöner gewesen? Nichts!

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Der große Flugdrache und der kleine Hamster waren glücklich. Hatten sie einer schönen Musik zugehört? Bestimmt!

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Ein Reiseziel war nie benannt worden, doch für beide war es immer ein GLÜCKLICHER TRAUM

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Sicher sah dieser Traum für den großen Flugdrachen und den kleinen Hamster vielleicht verschieden aus, aber immer war es doch ein glücklicher: Traum! Mal auf dem kleinen Hamster-Laufrad, mal über und unter den Wolken: auf der unendlichen Drachen-Flugroute!